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Historische Kleidung

Robe de Chambre ca. 1750

Roter Taft stahlblauem Taft gefüttert

Der Hausmantel war ein Kleidungsstück des alltäglichen Gebrauchs, welches sich enormer Beliebtheit erfreute. Von Philosophen dieser Zeit wissen wir, dass sie selten daheim etwas anderes trugen, ja Diderot widmete einem Exemplar sogar ein humorvolles Werk „Gründe meinem alten Hausrock nachzutrauern“. Der hier vorgestellte Robe de Chambre ist von einem sehr schlichten Schnitte wie er schon ungefähr am Ende des 17.Jh. anzutreffen war. Wenngleich auch durchaus Robes de Chambres von komplizierterem Schnitt und z.B. engen Ärmeln und Verschlüssen an der Vorderkante im Laufe des 18.Jh. aufkamen, blieb doch daneben auch die hier gezeigte Form, die uns noch immer auf schönen Gemälden der Zeit entgegen tritt – in ähnlicher Farbe sogar auf „Das rechtschaffene Modell“ (1769) von Pierre-Antoine Baudoin **. Die große Beliebtheit des Hausmantels ging soweit, dass der Gebrauch offiziell auf das Heim beschränkt wurde, da wohl viele Herren anfingen ihn auch außer Haus zu tragen. Hier aber war sie so üblich, dass man selbst auf einem Familienbildnis schon einmal einen Hausvater in seinem Hausmantel erkennen kann. Komplettiert wird das Erscheinungsbild des Herren im Hause durch eine Hauskappe, welche hier aus Seide ist, aber ebenso wie der Hausmantel auch, aus Leinen oder Baumwolle gearbeitet sein konnte. Gerade diese Stücke der Mittel- und Oberschicht waren oft bestickt und deuten somit wohl auch die Wertschätzung ihrer Eigentümer an, welche diese einfachen Kleidungsstücke genossen.

* Benjamin Samuel Bolomey: „Portrait de Bruno Martens et sa famille“, 1768-69 – in : „Modes en miroir“ Paris Musées, 2005 S. 103
**  „Meisterwerke der französischen Genremalerei im Zeitalter von Watteau, Chardin und Fragonard“ SMB – DuMont, Berlin u. Köln 2004 S. 258